Wir sind die BOOMER. Baby gib acht, wenn es BOOM macht!


Wer hätte das gedacht. Endlich ein mal ein Artikel für die BABYboomer.
Noch einmal durchstarten: Boomer haben noch viele gute Jahre vor sich. Gefunden in der ZEIT.
Heike Jahberg arbeitet im Gesellschaftsressort der ZEIT und schreibt – Jahrgang 1961 – gern über Themen, die Boomer wie sie betreffen: Wie bereite ich mich auf die Rente vor, soll ich weiterarbeiten, was bringt das?
Es war vor zwei oder drei Wochen. Ich saß in einem Online-Call. Eine junge Kollegin wollte einen Vortrag halten, hatte aber Probleme mit der Technik. Und dann kam dieser Satz: „Das ist ja so Boomer …“ Ich dachte, ich höre nicht recht, und habe umgehend protestiert. Doch kurz darauf wiederholte sich das Ganze, dieses Mal im Radio. Moderatoren einer Radiosendung wollten Hörer zuschalten, bekamen das aber technisch nicht hin. Und schon wieder hieß es, wie peinlich „boomermäßig“ das sei. 
Sind Boomer technisch unfähig?
Ich war verblüfft. Wieso ist es Boomer-Style, wenn man technisch scheitert, nichts auf die Kette bekommt (für die Jüngeren: nichts zustande bringt)? Aber vielleicht bin ich ja auch gar nicht gemeint. Nun gut. Altersmäßig gehöre ich mit meinen Mitte sechzig schon in diese Kategorie. Aber mindmäßig fühle ich mich auf der Höhe der Zeit. Obwohl: Meinen neuen Laptop hat meine Tochter installiert, und die Daten vom alten aufs neue Handy habe ich mir im Telekom-Shop überspielen lassen. Ich bin weder auf TikTok noch auf Instagram unterwegs, und auch auf Facebook und LinkedIn suchen Sie mich vergeblich. Mir ist Datenschutz wichtiger als Selbstvermarktung. Und ich lese abends im Bett lieber Romane, statt stundenlang Katzenvideos oder Influencer-Kram zu schauen. Vielleicht sollte ich diese Einstellung aber jetzt doch mal hinterfragen. Denn das digitale gesellschaftliche Leben scheint doch ein wenig an mir vorbeizurauschen.
Das Boomer-Bashing hält seit Jahren an
Sonst hätte ich nämlich viel früher gemerkt, dass das Boomer-Bashing keinesfalls eine neue Pirouette im Generationenkonflikt ist. Meine Mittzwanziger-Kollegen haben mir das kürzlich erklärt: Das Phänomen gibt es schon seit sieben Jahren, was die Sache aber nicht wirklich besser macht. Damals lästerte ein Boomer-Mann auf TikTok über junge Leute, die nicht erwachsen werden wollen. 
Auf dem Splitscreen (für die Älteren: Das ist, wenn der Bildschirm geteilt wird) hielt ein GenZler (für die Älteren: das sind die zwischen 1995 und 2015 Geborenen) schweigend ein Notepad hoch, auf dem stand: #Ok Boomer. Will sagen: Du bist so engstirnig, stereotyp und blöd, dass man sich mit deinem Unsinn gar nicht erst beschäftigen muss. 
Das war 2019. #OKBoomer ist seitdem milliardenfach verbreitet worden. Der Hashtag (für die Älteren: ein mit einem Rautezeichen versehenes Schlagwort für soziale Medien) ist auf Tausende Hoodies gedruckt worden, es gibt unendlich viele Memes (für die Älteren: lustige Fotos oder Videos, die im Internet kursieren und die durch witzige Kommentare einen anderen Sinn erhalten) und Insta-Videos.
#OKBoomer hat es bis in die Politik geschafft. Während einer Klimadebatte im neuseeländischen Parlament wurde die Grünen-Politikerin Chloe Swarbrick von einem älteren Abgeordneten unterbrochen. Ihr Kommentar dazu: „Okay, Boomer.“ Seit einigen Jahren wird sogar das Boomer-Wort des Jahres gesucht. Sozusagen als Gegenstück zum Jugendwort des Jahres. 2025 war es „Baujahr“, 2024 „Sportsfreund“, dieses Jahr ist es „Chat Tschibidi“! Ich halte das für „Kokolores“ (für die Jüngeren: Unsinn).
Das sind die vermeintlichen Boomer-Stereotype
Also, Sportsfreunde, ich, Baujahr 1961, möchte zu dieser Gruppe der Abgehängten nicht gehören. Ich will keine peinliche, rückständige Person sein, die nichts checkt. Zum Glück habe ich viele der vermeintlichen Boomer-Stereotype nicht drauf: Ich hinterlasse keine minutenlangen Sprachnachrichten, im Gegenteil: Ich nehme sie erst gar nicht auf. Ein Klapphandy habe ich auch nicht. Ich versuche nicht, besserwisserisch meinen Mitmenschen – egal ob alt oder jung – die Welt zu erklären. Und ich bemühe mich um generationenübergreifend verständliche Sprache.
Selbst meine Technikprobleme versuche ich inzwischen, eigenständig zu lösen. Neulich habe ich es geschafft, den abgestürzten Computer neu zu starten. Ich bewältige die Tücken des Elster-Programms und mache meine Steuererklärung digital. Ich kaufe, buche und chatte digital. Die Hilfe von KI nehme ich ohne Scheu in Anspruch. Wenn die Waschmaschine nicht läuft, suche ich mit Unterstützung von KI oder auf YouTube nach einer Reparaturanleitung. Meistens klappt das. 
Rettet mich das vor dem Boomer-Dasein? Nein.
Denn Boomer ist nicht nur ein State of Mind, es ist auch eine gesellschaftliche Position. Unsere Rente ist noch halbwegs sicher. Ich habe einen alten Mietvertrag und guten Kündigungsschutz. Meinen Arbeitsplatz werde ich wahrscheinlich bis zur Rente behalten können. Ich habe ein finanzielles Polster. 
Jüngere haben es heute sehr viel schwerer
Bei vielen Jungen ist das anders. Sie finden keinen bezahlbaren Wohnraum in Berlin. Viele hangeln sich von einem befristeten Job zum nächsten, wenn sie nach dem Studium überhaupt eine Anstellung finden. Wir Boomer hinterlassen unseren Kindern einen riesigen Berg an Problemen: ein teures, ineffizientes Sozialsystem und eine Klimakrise, die sich von Jahr zu Jahr verschlimmert. Ich bin 65 und froh, heute nicht 20 oder 30 Jahre alt zu sein. 
Das Boomer-Bashing hat als Gefrotzel begonnen, doch inzwischen hat die Diskussion an Schärfe und Ernst gewonnen. Die „New York Times“ spricht vom Ende der freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Generationen. Ich finde das übertrieben. 
Aber ich denke, wir Boomer sind gut beraten, über den Tellerrand hinauszublicken (für die Jüngeren: den Horizont erweitern). Mehr als 15 Millionen Menschen gehören zur Boomer-Generation, wir alle strömen jetzt ins Rentnerleben. Es sind die Jungen, die uns finanzieren müssen. Und die uns pflegen sollen, wenn wir nicht mehr können. Wir sind viele, und wir sind ein Problem.
Ich kann verstehen, dass die Jungen sauer auf die Alten sind. Aber so ganz fair ist das nicht. Vor allem nicht uns Frauen gegenüber. Denn Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen, war schwer. Kitas machten im Westen Deutschlands um zwölf Uhr mittags zu. Oft gab es gar keine Kinderbetreuung in der Nähe. Frauen in Führungspositionen waren eine Seltenheit. Kindererziehung war Frauensache. Das hat sich zum Glück geändert. Wir Boomer-Frauen haben das geschafft.
Unsere Generationen sollten daher das Kriegsbeil begraben (für die Jüngeren: sich vertragen). Es ist okay, Boomer zu sein. Und es ist okay, GenZler zu sein. Oder Gen-Y-er oder ein Millennial (für die Älteren: Gen Y und Millennial sind dasselbe und bezeichnen die von 1980 bis Mitte der 90er Jahre Geborenen). 
Moment mal, Millennial? Das geht dann vielleicht doch zu weit. Millennials, so weiß das Internet, sind ja bekanntlich faul, narzisstisch und unfähig. Diese verwöhnten Möchtegerns sind die schlimmste Generation von allen. 
Da sind wir Boomer und die Zwanzigjährigen der Gen Z uns aber mal wirklich einig.

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