Muttertag in La Palma, in Vorarlberg …


Hier in La Palma war dieser Tag schon letztes Wochenende. Wir feiern. Ich mit der Mutter meiner, UNSERER Kinder. Und wie man das halt so macht auf der Insel. Mit vielen bunt-gefalteten Ornamenten, die wir dann aufgehängt haben.

Eigentlich wäre es aber schön, schreiben zu können, so wie ARMIN THURNHERR es in seiner Seuchenkolumne für seine 106 Jahre alte Mutter geschrieben hat. Und dass meine Mutter noch da wäre …

Morgen ist Muttertag. Eine kleine Eloge.

Seuchenkolumne. Nachrichten aus der vervirten Welt 1876

Bild von Armin Thurnher

(Dieser ALT-Text wurde mithilfe von KI erstellt) Ältere Frau und Kind sitzen an einem gedeckten Tisch mit Kerze, Getränken und Schokoladenhasen und halten sich an den Händen.
Oster 2026 mit Urenkel Augustin.FOTO © LUISE ENDER

Frage einer deutschen Wochenzeitung: »Liebe Leserin, lieber Leser, am 10. Mai ist Muttertag: für viele ein besonderer Tag der Wertschätzung – oftmals in Form von Blumen, lieben Worten oder gemeinsam verbrachter Zeit. Zugleich lädt uns der Muttertag zum Nachdenken ein: über die persönliche Beziehung zur eigenen Mutter, aber auch über Rollenbilder, gesellschaftliche Erwartungen an Mütter und die Herausforderungen bei der Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Care-Arbeit. Uns interessiert: Wie blicken Sie auf den Muttertag, und welche Bedeutung hat er für Sie?«


Blicke ich auf den Muttertag, habe ich Adolf im Ohr, aber
Mutter im Auge. Mutter, sie lebt und gedeiht dank der Care-Arbeit
meiner Schwester und meines Schwagers und Madalinas,
lange verweigerte Rund-um-die-Uhr-Pflege, nun aber nimmst du
hin sie, mit Freude, du hast nun Gesellschaft den ganzen Tag, und
denkst nicht des gestrigen Tags, doch der vielen vergangenen, der denkst du
gern und mit Hilfe der Alben, der Fotos, der Briefe, und manchmal
schaust du auch noch ins iPad, meiner Seuchenkolumne
wegen, die kann man immer wieder lesen, aber sonst kaum
jemand, der schreibt dir, die Speicher, die weltweit überquellenden,
gähnen vor Leere. Dein Leben, ein Ritual seh’ ich, Frühstück,
Zeitung und Kreuzwort, ein Schläfchen, das Essen, ein Gang in Garten,
Frühling ist’s, Mai, und verblüht ist der Flieder, man macht sich’s warm im
Eck bei der Feige und sieht schon die Dahlien kommen, Herbstastern,
fallende Blätter der Buche, die du einst pflanztest mit Schorsch, der
Georg lieber nannte sich, du aber  fandest Schorsch viel
schicker. »Wie lange ist er jetzt schon tot? Was, zwanzig Jahre!. Wie
alt bin ich jetzt, hundertsechs, das ist nicht zu glauben, wie schön wir es
hatten, warum nur musste er sterben so früh, gerade
ging ich doch noch mit ihm und mit Tasso, dem Hund, den hab’ ich als
Welpen geholt mit der Rodel von Watzenegg, und im Zug hat mich
angebieselt im Rucksack der Kleine, so war es, ein guter
Hund, und im Zoll hielt er Wache, wenn Mutter allein war im Wirtshaus,
nie wollt’ ich dort sein, die Männer zu lästig, und niemals ein freier
Tag. Da war’s im Finanzamt schon besser, ich war die einzige
Frau unter einhundert Männern, doch die benahmen sich halbwegs, und da
war auch der Schorsch.« All das kannst erzählen noch immer, in vielfachen
Bildern, die wir nicht vergessen. Wie könnte vergessen ich, was du mir
gabst, die Lust an der Sprache, am Dichten, am Witz? Und Lesen
lernte durch dich ich und deine Geduld, weil du nimmermüde
lasest den Rübezahl du mir solange, bis ich ihn auswendig
konnte und mit gerissenem Kreuzband im Bett mir die Buchstaben
suchte. Und immer hast du gelesen, geschrieben, aufgesagt;
Bist keine Intellektuelle, doch du lebst in der Sprache, noch immer.
Wunder nenne ich es, und wird alles auch schwächer, dein Wille zu
leben wird’s nicht. Es ist schön, das Leben, so sagst du! Und ist auch das
Alter nicht immer so schön, so mögest du leben, solange du
magst, das wünsche ich dir und uns allen. Und dank dir für alles.

1views

Related Videos


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert