„Monumento al Infinito“ von César Manrique. Tour der LOST PLACES.


La Palma – Infodienst – Dienstag, 19. Mai. – OMArlis hat Zahnschmerzen. Glaubt ein Zahn stirbt ab. Wir machen uns schlau. Und Marlis wirft was ein. Danach Entscheidung. Wir fahren in die Berge. Zuerst an der Tankstelle, – etwas abseits der Hauptstraße, viel Andrang, der nur spanisch-sprechende Tankwart hilft mir beim Procedere, Tankautomat in Spanisch – für die Hilfe gibts ein Trinkgeld und er will mir unbedingt die Quittung geben – die ich gar nicht möchte – beim späteren Draufschauen weiß ich was er gemeint hat, der Tankbonus war darauf vermerkt, 3,49 Euro. Gut gemacht. Die Berge warten, kein Gegenverkehr, kilometerlang geht es nach oben, nach unserem Erlebnis mit der Sperre vor dem Monumento al Infinito  letzte Woche, sind wir vorbereitet. GPS im Auto ist nicht bergtauglich, fällt aus. Die erste Straßensperre – ist weggeräumt, die zweite? Es gibt keinen Gegenverkehr! Wie das ist der Dienstag touri-frei? Auch die zweite Straßensperre, die uns letzte Woche aufgehalten, fehlt. Hurra. GPS von google-Maps wieder da, Kurve um Kurve – die Stimme meldet – „sie haben das Ziel erreicht“ – weit und breit kein Einstieg zu sehen. „Ein Obelisk für die Ewigkeit“. Aber: Wie kommen wir zum César Manriques Kunstwerk. Wenden und Neuversuche klären das Rätsel. Finden den Einstieg. Natürlich – der kopfsteingepflasterte Weg ist in die Jahre gekommen, trittsicher muss man sein, mit Flip-Flops ist man verloren. Dank Marlis haben wir die Alpinausrüstung – Schuhwerk inklusive. Das Monument ist schlicht, der Platz ein Kraftplatz, die Botschaft von César Manrique., nicht nur für unsere Generation lesenswert – und eigentlich Auftrag und Mahnung zugleich. 1985 ist das Denkmal der Unendlichkeit entstanden. Es weist ebenso gen Himmel, wie der Polarissternweiser. 2,5 Mio Pesos soll Manrique damals dafür erhalten haben. Umgerechnet 15.000 Euro. Fürs Vergessen, und so sieht dieser Lost Place aus hat der Künstler das Werk nicht geschaffen, sondern für das Gegenteil, die Ewigkeit. Sein Wert dürfte sich nach dem Ableben des Künstlers vervielfacht haben, eigentlich Ansport für die Gemeinde sich um den Erhalt mehr zu kümmern. Wieso? Die Steine des Pflasters, auf dem man zur großen Skulptur hinaufsteigt, haben sich durch Wind und Wetter aus dem Weg gelöst und machen das Gehen ein wenig mühsam. Der Vorteil: Man kann die Aussicht dort oben oft ganz alleine genießen. Wir waren in dieser Zeit (gut eine Stunde) die einzigen.
Weiter auf der Alpenstraße, vorbei an den vier Parabolspiegeln des ersten Starlight Reservats der Welt. Ein Zitat das viel darüber erklärt, was da ist und sichtbar wird. Der Astrophysiker Herbert Anton Kellner kommt ins Schwärmen:
„Der Anblick des Nachthimmels mit bloßem Auge war ebenso spektakulär wie der Blick durch das Teleskop, z.B.. auf das Streifensystem des Jupiters und die Monde in seinem Reigen, die Ringe des Saturns, oder die abnehmende Sichel unseres eigenen, guten alten Mondes. Ein fantastisches Schauspiel bot fast jeden Abend der aufgehende Orion, Gürtelsterne vertikal, während sich gegenüber im Westen Leier, Schwan und Adler verabschiedeten. Danach, wenn sich der große Wagen bereits hochgedreht hatte, stieg Orion schon wieder ab – darunter hier in Europa nie Gesehene und mir unbekannte südliche Sternbilder, wie Lepus, Hase, nahe Sirius … Nicht zu vergessen die blendend helle Venus an diesem Morgenhimmel!“
Ich muß es zweimal lesen. Profi und Hobby-Astronomen kommen einzig auf die Insel um die Sterne zu sehen. Denn nur wenige Orte auf der Welt gibt es, die einen so sauberen und klaren Nachthimmel bieten. – Das Centro de Visitantes Roque de los Muchachos bleibt uns diesmal (im Gegensatz zu 2017) verschlossen, die Zufahrt zu. Also weiter. Lost Places aus dem 111er Buch – Die Mühle von Llano Negro. Wir finden sie. Im zweiten Anlauf. Ein vergessenes Kleinod, auch in die Jahre gekommen, verschlossen. Eine komplette Restaurierung von Windmühlen wurde nur an der Molino de Mazo und der Mühle von Las Tricias vorgenommen. Unsere besuchte Mühle ist Rastplatz für Bergdohlen, die sich hier scharenweise niedergelassen haben. Ein paar Fotos. Der Wind pfeift. Weiter gehts. Hier ist es üppig und wild wuchernd GRÜN in allen Facetten und Ausprägungen, Wälder, Sträucher, buschig – manches hängt in die Fahrbahn und es scheint und droht fast so, als wolle dieses GRÜN in all seinen Ausprägungen auch die Straße „wildwachsend mit GRÜN zu übernehmen“.
Den Magier von Garafia, den finden wir nachdem wir den nächsten Stop, den Wald von La Zarza gesucht haben, dort alles verschlossen, verwildert und nix zu machen. Dieser Lost Place ist ein wirklicher. Verlassen. Den Magier erspähen wir beim Wiedereinbiegen auf die Hauptstrasse.
Unsere nächste Station ist vage, das Haus von Rente, einem Freigeist, direkt an der Küste, der Besuch bei Rente, den Franzosen und Rentes „Vodoo-Stübchen“ fällt aus, weil wirs nicht auf Anhieb finden. Und uns ärgert, weil GPS, google und Marlis sich nicht einig werden. So landen wir am Ende einer kleinen Überraschungsfahrt eben ganz woanders.
Die Fajana Becken, das sind Pools mit Seegang. Naturschwimmbecken, weitläufig und auf mehrere Terassen verteilt. Immer ein grandioses Naturschauspiel. In vergangen Zeiten wurden die Becken auch zum Einweichen von Flachs verwendet. Heute dienen sie der Erholung und sind vor allem an Wochenenden und im Sommer beliebter Treffpunkt. An diesem Tag hält sich der Besucherandrang in Grenzen. Wir teilen uns mit wenigen die Terassen und das Becken.
Charco Azul, das mondäne Becken und der Palma Rum sind unsere nächste Station. Der La Palma Rum ist wunderbar. Die Rumdesitllerie in San Andres, direkt beim Charco Azul ist etwas Besonderes. Protagonist war Don Manuel Quevedo Aleman, angesehener Zuckerbaron und Rum-Meister. 1936 gründete er auf Gran Canaria die „Destillerie Aldea“ und was später die Destillerie an der Steilküste von Los Sauces.
Nach dem Einkauf schauen wir der Azul-Gastro auf die Badenden und das offene, leicht stürmische Meer. Die Rückfahrt verläuft ohne besondere Vorkommnisse. Wetter: Schön, Bewölkt, strahlend blau, Nebel, Wind, Sonne und wieder von vorne. Sonderlich aber nicht verwunderlich: Viele, oder einige der Stationen, die wir ausgewählt und anfahren, sind aus dem Buch 111 Orte auf La Palma, die man gesehen haben muss. Das Buch ist von 2019. Dazwischen war die Pandemie und der Ausbruch des Zerissenen. Trotzdem immer eine Überraschungstüte …

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