Im August 2026: Angst? Sicherheitsgefühle? Was denkt sich ein Hochseilartist, eine Artistin? Hat sie, hat er Angst, wie bereitet sie sich vor? Glücksgefühle. Suchtpotenzial. Anlass für mich, darüber nachzudenken ist der Andrang und das Interesse beim Innsbrucker Festival Krapoldi in der Stadt. Slackliner gehen vom Domturm über 120 Meter hinüber zum Stadtturm. Was für ein Spektakel. Die Stadt ist voll. Alle Augen sind nach oben gerichtet. Applaus brandet auf. Gelungen. Es sind diese Zufälle, der August, die Hochseilartistik, die Sommerlektüre und … die Gedankenkette wird bunter und länger und eine besondere.
August 1974 – New York.
Der 7. August 1974 ist auch der Monat in dem vor 52 Jahren die spektakuläre Aktion von Philippe Petit passiert. 8 mal ist er zwischen den Twin Towers hin-und-her getanzt. Am Hochseil. Ungesichert. Was für eine größenwahnsinnige Tat. 6 Jahre vorbereitet, illegal durchgeführt, danach verhaftet, danach eine Legende und unverrückbar mit den Twin Towers in New York verbunden.

Nach – dem August 2001.
Vom 1. bis 16. September 2001 fand in Innsbruck das Festival der Träume unter dem Motto „Zierkuss“ statt. Ein gigantischer Spektakel beim Eisstadion. Groß. Zu gross. Über 180 Veranstaltungen geplant, ein Rund-um-die-Welt-Kulinarium, Lichterlabyrinth, 4 Zirkuszelte, Kinder-Mit-Mach-Zirkus, Volksmusik (mit Franz Posch), Konzerte – Giorgio Conte, Zabine … Hubert von Goisern, – und und – am 11.9. sind genau diese beiden Twin-Towers in New York eingestürzt. Nach dem Attentat mit den Flugzeugen. Ungläubig und live am kleinen Bildschirm vom „Kelly´s-Stand“, dort beim Festival gesehen. Was für ein bleibendes, grausliches Miterleben von menschlichem Hass und dem zu welchen Taten unsere Spezie fähig ist. Das Festival, nicht deshalb, aber auch deshalb ein Fiasko. Das Wetter mit Regen und viel mehr Regen trug noch seinen Teil bei. Ein Niederschlag – da wie dort.

Vor dem August 2026:
Walter Mooshammer, der Spiritus-Rector und Direktor vom Krapoldifestival berichtet mir, dass er plane DAVID DIMITRI mit seinem Ein-Personen-Zirkus-Stück „L’HOMME CIRQUE“ nach Innsbruck zu holen. Ich bin Feuer und Flamme. Habe dieses Stück in Salzburg, gemeinsam mit einigen alten Festival-Freunden beim WINTERFEST erleben dürfen. Aus der Verbindung mit Georg DAXNER, dem Vordenker und geistigen Vater vom WINTERFEST. Einen Bruder im Geiste – und Georg hat uns sein Spiegelzeit für das FdT 2013 aufgestellt. Eine gemeinsame Produktion von Winterfest und FdT waren in Planung. Sein überraschender Tod hat alles beendet.

Schon damals im August 2010
war La Famiglia Dimitri in Innsbruck. Beim Festival der Träume im Stadtsaal. Überragend die Ausstrahlung von Clown Dimitri, Doyen der Szene, Clownschuleleiter in der Schweiz mit seinen Kindern und dem Schwiegersohn. Was für eine Vorführung. Dreimal wurde der Stadtsaal zu einer zirzensischen Sensation. Langsamkeit. Poesie und Artistik in einer unvorstellbar zauberhaften Melange. DAVID spielte eher eine zurückhaltende Rolle, aber für das ganze passend. Unvergessen der Seiltanz quer durch den Stadtsaal, hoch droben – die staunenden Festivalgäste unten. Dass wir das Seil spannen konnten und durften, waren Bohrungen im Saal notwendig. Die zwei Hausmeister, längst auf unserer Seite haben es möglich gemacht. Ein Video der Vorführungen, gefilmt von Martin Hanel nach einer Idee von Robert Barth† sollte dem Festival noch mehr Strahlkraft geben und die Gäste auf der Bühne als Botschafter dafür in den Mittelpunkt stellen. An dieser Stelle müssten eigentlich auch besondere Erlebnisse und tollkühne Versprechen von Tiroler Touristikern stehen. Diesen Seiltanz mit der Vergangenheit sparen wir uns.

Schweiz, August 2026
Philippe Petit stellt, gerade jetzt im August, im Schweizer Fernsehen die deutsche Fassung seines Buches „Auf dem Hochseil“ vor. Und erklärt dabei die wundersame Philosophie der Hochseilakrobaten. Mit dem Hinweis, niemals der Beste und Erste sein zu wollen, weil es immer irgendwo, irgendwen gibt der noch besser ist. Sein guter Freund DAVID DIMITRI ist dabei auch zu sehen. Und er betont in einem Nebensatz die besondere Rolle von Philippe Petit als der „Der Poet am Hochseil“.

Vorwort
Das Vorwort in dem Buch kommt von Petit´s Freund Paul Auster†. Der US-amerikanische Autor schwärmt in seinem Vorwort von der Lektüre und meint, der Tanz auf dem Drahtseil sei «keine Kunst des Todes, sondern eine Kunst des Lebens, das bis zur Gänze ausgeschöpft wird» Austers Gattin Siri Hustvuedt lieferte uns heuer mit „Ghost Stories„, einer literarischen Collage aus Tagebucheinträgen, E-Mails und Briefen als beeindruckend-meisterhafte und ehrliche Trauerarbeit. Meine herausragende Sommerlektüre.

Letztens im August
im Rapoldipark, genau am 24. August 2026 -Krapoldi-Festival. Es gibt einen kleinen Aperitif im Krapoldi-Areal. Das Festival hat seine ersten drei Tage in der Innsbrucker Innenstadt furios absolviert. Die Seilüberquerung vom Dom- zum Stadtturm ein Höhepunkt. Es ist tags bevor die Aktivitäten im Rapoldipark beginnen. DAVID DIMITRI ist am Zug, mit dem Zug aus der Schweiz gekommen. Einerseits das Areal zu begutachten, ein paar technische Fragen zu lösen und um als Botschafter für seine möglichen Auftritte 2027 da zu sein. Neben den vier regulären Vorstellungen gibt es auch noch das Angebot für Zusatzvorstellungen für „Liebhaber*innen des Besonderen“ (Firmenfeier, Jubiläum, Geschenk)
Expert*innen und die überaus geschätzte Tiroler Journallie (die trotz vieler Einladungen nicht in großer Zahl zugegen war) würden den Aperitif wohl als chaotisch und vor Dilettantismus strotzend abkanzeln. Aber das schlicht- improvisierte Krapoldi-Event wird zu einem Künstlertreff der besonderen Art. Mit einem charismatischen David Dimitri, einem Mastermind und Artistenkollegen Walter Mooshammer, mit nicht nur mit dem Bohrer in der Hand, stets bereit noch Hand anzulegen, handfest zeigt, was Krapoldi alles kann, selber auch Erfahrung als Hochseilartist hat, Tom Zabel, Straßenkünstler und Herausgeber eines Handbuches zur Straßenkunstgeschichte „Gelebte Utopie“, nicht nur der in Tirol, Gerald Huber – aka GHiii – kunterbunte und farbenfrohe Kunst, seine künstlerische Foto-Mixtur-nach eigener Fasson als -Glücklichmacher, Tony Obergantschnig („Quo Vadis“) und Petra Knoflach (Integrationshaus) haben mitgemacht, und neue Projekte quer ausgeheckt. Eine italienische (Company Chalibares) war dabei. Tritt am Dienstag bei Krapoldi auf. Mit Lukas Stelter vom Büro Stella war ein Fotograf Anwesend. Hat sich nicht nur als Fotograf vorgestellt, ist auch dank seiner erworbenen Kompetenz im Genre (Wintergarten Berlin) eine Verstärkung – im kommunikativem Bereich, ich denke, nicht nur bei Krapoldi! Mißglückt im Wirken und der Strahlkraft in den Tiroler Pressebereich, vollkommen perfekt und liebenswert im Auftritt, grandios im Brückenbauen und Zusammenkommen. Alle Brötchen vom Hörtnagl waren Ruck-zuck weg. Meine flaneurisierte Meinung: Die Themen „Hochseilakrobatik“ mit den Themen Angst und Sicherheit und „Neuer Zirkus“ immer mehr als nur eine PR-Geschichte wert.

Interessantes
Mein Interview mit DAVID DIMITRI dann – in drei Teilen, Innsbruck und seine Erinnerungen, die Einstellung und Motivation die hinter Hochseilakrobaten stehen. David und Philippe Petit als Gallionsfiguren, übrigens auch Walter Mooshammer war am Hochseil, was sie bewegt, motiviert das zu tun, was sie tun. Über das Risiko ohne Sicherung am Seil zu tanzen … Spannend.
Die dritte Frage betraf die Ein-Mann-Vorstellung von DAVID DIMITRI und die Besonderheiten dabei. Seine kürzliche Begegnung mit Philippe Petit bei der Buchpräsentation (Kurzbereicht in SRF) und die Animation von Petit ein gemeinsames Projekt zu starten.

Herzbetrunken.
Die Übergabe eines Exemplares vom 2010er Buch „Herzbetrunken“ in dem alle Dimitris inklusive Schwiegersohn (Papa Dimitri, Masha, Nina, David und Kai Leclerc) der damaligen Aufführung „La Famiglia“ abgebildet, war die Überraschung für David. „Dieses Buch haben mir meine Geschwister wohl vorenthalten,“ meinte David lächelnd. Überhaupt war das Buchprojekt und das Ergebnis dieses Werkes von Bea und Günther Egger, mit den grandiosen Schminkkünsten von Dieter Lena und den Kostümen aus dem Fundus vom Tiroler Landestheater.

Wow! 21. August 2026 – 15:55
Innsbruck, Altstadt Krapoldi – 21. August 2026: Längste Highline des Landes. Erstmals führte eine Highline vom Glockenstuhl des Doms zu St. Jakob bis zum Stadtturm. In 32 Metern Höhe über den Dächern der Altstadt entstand mit 112m die längste Highline, die jemals im städtischen Raum Österreichs gespannt wurde. Die Tiroler Slackline-Profis der Tiroliners wagten die spektakuläre Überquerung an beiden Festivaltagen jeweils um 15.30 und um 19.00 Uhr. Akteure: Tiroliners (Slacklinen in Tirol) & Special Guests.

August 2027 – Krapoldi Festival im Rapoldi
Demnächst, exakt im August 2027. Der Kreis wir geschlossen. Erst im nächsten Jahr, wenn DAVID DIMITRI beim Krapoldifestival 2027 mit seinem Ein-Personen-Zirkus das Publikum, uns alle verzaubert hat. „L’HOMME CIRQUE“ gastiert in Innsbruck. Vorfreude. Bei ihm. Bei uns sowieso.

Dummer „August“, vor 52 Jahren. Nachtragend.
Nachtrag zum August 1974 – es passt noch dazu: Im August 1974 war ich als „Feriali“ am Großglockner, nicht ganz oben, im ADEG -Andenken- und Lebensmittel geschäft drunter am Busparkplatz „Hoher Sattel“. Als bekennender Anti-Alkoholisches-Trinkender war ich da als „Schnapsverkäufer“ unterwegs, dabei bin ich unter anderem draufgekommen, dass ich „verkaufen“ kann. Ganz egal wie ich ausschaue! (immerhin schon fast 16jährig!) Natürlich nur – wenn ich es RICHTIG mache! Vom WALK ON WIRE und dem Wahnsinnsseiltanz von Philippe Petit habe ich damals nichts mitgekommen. Fernsehen war noch in den Kinderschuhen und im Radio lief, das weiß ich noch „Let Your Love Flow“ und „This Town ain´t big enough For Bouth Of Us“ von den Sparks bis zum Ohrendurchfall. Aus dem ersten Ohrwurm der Bellamy Brothers wurde dann „Ein Bett im Kornfeld“ von Jürgen Drews. Bis dahin war ich ohne Alkohol sehr gut ausgekommen, stets verweigert und unnotwendig, die schnapsverkaufenden Mitkonkurrenten aus Kärnten (Maturanten!) haben mir aber einen ersten ordentlichen Rausch „angedreht“. Kotzübel als Hilfsausdruck. Ein Wirkungstreffer. Wie ein Hochseilartist es nicht machen darf, bin ich getaumelt. Die beiden Geschäftsführer des ADEG Marktes, ein Ehepaar aus Kärnten, haben sich vorsorglich um mich gekümmert. Unvergessen.

Nachtrag – Die Definitionen nach Philippe Petit:
Wer in wenigen Metern Höhe auf einem Seil geht, tanzt oder umherwirbelt, ist kein Hochseilartist. Ob das Seil gespannt ist oder durchhängt, ob es gefedert oder schlapp ist, ob er mit oder ohne Balancierstange darauf arbeitet, man nennt ihn Seiltänzer.Wer dieselben Kunststücke auf einem dünnen Messing- oder Stahlseil vollbringt, wird zum Drahtseilkünstler.Bleibt noch der Künstler, dessen Vorführung einem Glücksspiel gleicht. Der auf seine Angst stolz ist. Er wagt es, seine Seile über Abgründe zu spannen, er bezwingt Glockentürme, er entfernt sich von Bergen und verbindet sie. Sein Stahlseil, sein Hochseil, muss straff gespannt sein. Für große Überquerungen nutzt er Balancierstangen. Er ist der Gaukler des Mittelalters, der Schrägseilartist aus dem Jahrhundert Blondins, der Hochseilläufer.
Nachfragehinweis
und mein persönlicher Tipp: Wer sich für eine Sondervorstellung von „L’HOMME CIRQUE“ (https://daviddimitri.ch/lhomme-cirque-the-show)interessiert, Einzelheiten wissen will, individuelle Möglichkeiten, Konditionen und die Leidenschaft, des Genres erfahren möchte – der möge sich bei Walter Mooshammer melden – Walter Mooshammer, ( festival@krapoldi.at) +43 6502560076, Hunoldstraße 16b, 6020 Innsbruck.
